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Digitalisierung und Zukunftsängste

Avatar of Boiwen Admin Boiwen Admin - 18. Oktober 2016 - Digitalisierung

Dass die laufende Digitalisierung eine neue Arbeits- und Beschäftigungswelt hervorbringen wird, ist bereits hinlänglich beschrieben worden. Auch wenn bei der Beschreibung der Digitalisierungsauswirkungen auf unsere Gesellschaft meist „zu kurz gesprungen“ wird, sind selbst die heute von jedermann vorstellbaren Veränderungen unserer Zukunft für viele Menschen angsteinflößend.

Und das zu Recht!

Mit einer gewissen Leichtigkeit werden uns die absoluten Beschäftigungszahlen als „Nullsummenspiel“ verkauft und zu unser aller Beruhigung mitgeteilt, dass man, mit ein bisschen Umschulung, in der neuen Arbeitswelt auch zukünftig mitmischen kann. Wer kennt sie auch nicht, die durch Umschulung hervorgegangenen IT-Master und Ingenieure?  Klar, wir bilden in den nächsten Jahren, bis zur gänzlichen Marktreife der autonomen Fahrzeuge, ganz einfach eine knappe Million Berufskraftfahrer aus:  LKW-Fahrer zu Distributoren, Taxifahrer zu Psychologen – wenn sie das nicht ohnehin schon studiert haben – und Busfahrer zu Reiseführern.  Wo also ist da das Problem? Eigentlich hört sich das ja super klug an, wäre da nicht die Tatsache, dass die Distributoren durch intelligente Programme und die Reiseführer durch Social Robots ersetzt werden. Bleiben ja immerhin noch die Psychologen, von denen brauchen wir dann bestimmt mehr.

Neue Produktionstechnologien kosten schon heute in vielen Industrien qualifizierte Jobs. Die Sensortechniken in Verbindung mit moderner Auswerte- und Entscheidungssoftware greifen unsere heiligen Qualitätsingenieure an, Maschinen bauen Maschinen, die Zukunft von Verkäufern und Angestellten stehen auf Roboters Schneide. Journalisten stehen sich einem mehr oder meist minder intelligentem Schwarmwissen und Schwarmjournalismus gegenüber und der technologische Wissenszuwachs der Menschheit hat vom gemächlichen Schlendergang in den Sprint gewechselt und wird sich bald im „autonomen Fahrmodus“ bewegen. Ärzte, Ingenieure, Facharbeiter, Sozialberufe, alle sind betroffen oder werden es in Kürze sein.

Dafür dass wir erst am Anfang stehen, kommt da schon was zusammen. Digitalisierung ist heute grundlegend anders definiert als noch vor 20, 30 Jahren. Galt damals die Digitalisierung/Technisierung noch als „Erleichterung“ für den Menschen, so soll sie heute ganz klar den Menschen ersetzen.

Wohin führt das Ganze?

Das ist noch nicht im Entferntesten abzusehen. Vielleicht hilft es ein paar Science Fiction Romane zu lesen. Insbesondere wenn man sich die aus den 80ern vornimmt, kommt man drauf, dass vieles bereits Realität geworden ist. Wie auch immer, sicher ist, dass der zukünftigen Schlüssel die Bildung sein wird. Das hören wir zwar schon seit längerer Zeit, ist aber den meisten Leuten offenbar noch nicht so richtig angekommen.

In der nahen Zukunft wird die Welt wohl in eine Arbeitselite (das sind die, die die komplexen Zusammenhänge verstehen und verändern können) und in eine arbeitsfreie Kaste aufteilen. Hört sich schlimm und gruselig an? Stimme ich zu. Insbesondere wenn der Staat von Arbeitnehmersteuern lebt. Da werden dann solche Ideen wie das bedingungslose Grundeinkommen von heute „lächerlich“ zu „sollte man mal drüber nachdenken“. Und Steuern auf Arbeit? Die wird man dann wohl vergessen können, wenn die zukünftigen Arbeitnehmer überall arbeiten können. Maschinensteuern, Erbringungssteuern usw. sind dann wohl neben der Mehrwertsteuer die Methoden der Wahl.

Wann ist es denn so weit, das dauert bestimmt noch einige Zeit?

Vielleicht dauert es noch ein wenig. Das hoffen zumindest die meisten der Betroffenen. Und wenn dann können wir das ja auch noch herausschieben bis wir ein „Gegenmittel“ haben. Als wäre die Digitalisierung eine Krankheit, die man mit ein paar historischen Heilmittelchen heilen könnte!

Wir können die Digitalisierung und die damit einhergehende digitale Globalisierung nicht aufhalten. Sie ist gewollt und von vielen wird sie als Heilsbringer der Zukunft angesehen. Gerne versuchen Erzkonservative, Nationalisten und Populisten von links und rechts uns einzureden, dass wir das alles aufhalten können und unser schönes behütetes und sicheres Leben einfach weiterleben können. Wir müssen nur auf die Straße gehen und lauthals herausschreien, dass wir diese Veränderung nicht wollen. Die Welt wird uns dann hören, oder zumindest unsere nationalen Politiker und dann werden sie alles aufhalten, weil…. Ja warum denn? Und vor allem, wie hält man den Fortschritt auf?

Bald, schon sehr bald wird sich (fast) alles verändern. Wir sprechen nicht umsonst von einer digitalen Revolution.  Da bleibt kein Stein auf dem anderen. Kein Verfahren, kein Ablauf ist in dieser destruptiven Zeit mehr sicher. Alles wird in Frage gestellt und das meiste wird sich ändern müssen.

Und die, die sich nicht ändern können oder wollen? Nun ja, das wurde oben schon angedeutet.

Wie kann man sich auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten?

Gefragt ist zum Ersten die Industrie. Die neuen Technologien müssen von der Bevölkerung zuerst akzeptiert werden. Nützliche oder interessante Anwendungen werden von den Consumers (die wir ja alle sind) erfahrungsgemäß schnell aufgegriffen und akzeptiert. Damit lassen sich Vorbehalte leichter abbauen. Beste Beispiel kommen derzeit aus Asien: APPs wie WeChat mit denen man, wie in einer digitalen Schaltzentrale, alles organisieren kann – vom Taxi bestellen, über Zahlungen im Supermarkt bis hin zum täglichen Chat, oder das Spiel Pokémon Go, welches einer riesigen Spielergemeinde die Augmented Reality erlebbar macht, oder das Vergnügen in asiatischen Shopping Malls mal schnell, mit einer Virtual Reality Brille ausgestattet, eine Achterbahnfahrt zu unternehmen. Beispiele gibt es mehr als genug!

Alles Kinderkram? Vielleicht. Aber es macht moderne Technik und die Digitalisierung für den einzelnen positiv erlebbar. Und darauf kommt es doch letztlich an, will man eine breite Akzeptanz erreichen.

Die nächste 10 bis 20 Jahre werden für unseren Lebensstil die entscheidenden sein. Sind wir vorne oder ganz hinten bei der Digitalisierung, haben wir Antworten oder besser noch Lösungen für die Herausforderungen der neuen digitalen Welt oder lassen wir uns überrennen und versuchen uns mit einfach gestrickten Denkmustern und Schnappatmung zu schützen. Abwarten ist sicherlich keine Option um unseren Wohlstand zu bewahren.

Vielleicht wird es nie wieder „so schön wie heute“ sein, aber ganz sicher wird es anders sein.

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