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WeChat – Die Messenger-Zukunft aus China

Avatar of Boiwen Admin Boiwen Admin - 01. August 2016 - China

Bis 2018 sollen 90% der Menschen mit einem Internetanschluss mindestens einen Chat-Dienst nutzen. In Asien steigt seit der Einführung 2011 die Beliebtheit des Anbieters

WeChat (oder Weixin) enorm an. Mit über 700mio aktiven Nutzern folgt WeChat dicht auf WhatsApp. Verfügbar ist die App in 20 Sprachen und 200 Ländern.

Doch WeChat ist anders als der Name vermuten lässt viel mehr als ein reiner Messenger. Neben den Standard Text-,Bild- und Videonachrichten, kann man über WeChat auch mobil zahlen, in eCommerce-Shops einkaufen, Spielen, anderen Menschen Geldgeschenke machen und sogar Taxis und Lebensmittel ordern.

Gut zugegeben, die meisten Funktionen sind bisher nur im asiatischen Raum verfügbar, aber dafür werden sie dort umso intensiver genutzt und dienen vielen Menschen praktisch als Schaltzentrale ihres Lebens.

Insbesondere für Unternehmen bieten sich vielen unterschiedlichen Anwendungsbereiche. So hat z.B. die Kaffee-Kette Starbucks viele neue Follower generiert, in dem sie jedem Nutzer einen Song gesendet hat, der zuvor in einer Nachricht an Starbucks einen Emoticon verwendet hat. Die Stimmung des Musikstücks glich sich nach der Art des Smileys an. Nach nur einem Monat hatte Starbucks so 62.000 WeChat-Follower, die durchschnittlich pro Tag 22.000 Nachrichten schickten.

Doch für wen eignet sich WeChat?

Als Privatperson muss ich sagen macht WeChat schon ein wenig süchtig. Besonders die Funktion „Entdecken“, bei der man entweder „Personen in der Nähe“ suchen kann, die ebenfalls auf WeChat aktiv sind oder das Smartphone schüttelt und einen Kontakte angezeigt bekommt, der im gleichen Moment egal wo auf der Welt auch sein Smartphone schüttelt. Natürlich sollte da aufgepasst werden, wem man was schreibt, schließlich kennt man die Person hinter dem Profilbild nicht und ab und an erhält man leider auch über WeChat ähnlich unangebrachte Nachrichten wie über Tinder. Deswegen heißen diese beiden Funktionen auch Tinder-Funktionen.

Aber auch für Unternehmen, die international und besonders auf dem chinesischen Markt aktiv sind, lohnt sich WeChat und ist eigentlich schon ein Muss, denn WeChat bietet neben den vielen Vorteilen, die andere Social Networks ebenfalls anbieten auch die Möglichkeit mobil zu zahlen, sich ein Taxi zu bestellen oder Lebensmittel zu ordern.

Also mal kurz zusammengefasst:

WeChat ist praktisch ein Messenger wie WhatsApp, durch das Teilen von Bildern ein Social Network wie Instagram, durch das mobile Bezahlen ein Ersatz zu Apple Pay, ein klein Wenig wie Tinder und durch die Möglichkeit Waren online zu ordern eine Alternative zu Amazon.

Für Unternehmen entscheidend sind neben der Messengerfunktion auch die Verkaufsmöglichkeiten. Die Nutzer möchten persönlich angesprochen werden und durch das Folgen eines Unternehmens auch wirtschaftliche Vorteile haben. Dies funktioniert über exklusive Rabatte, die in Nachrichten verteilt werden können und einen in WeChat integrierten Online-Shop. Der Shop sollte direkt in WeChat integriert sein, um lange Ladezeiten zu verhindern, denn auch in WeChat herrscht das Prinzip, der nächste Konkurrent ist nur einen Klick entfernt. Und wer hat nicht schon mal bei Amazon ein Produkt weggeklickt, weil die Bilder aufgrund ihrer Größe einfach nicht laden wollten?

WeChat bietet aber außerdem viele weitere interessante Möglichkeiten für das Marketing. Neben der Schütteln-Funktion wird im asiatischen Markt bereits eine Funktion namens „Flaschenpost“ angeboten. Ein Nutzer wirft eine Nachricht ins virtuelle Meer und der Nutzer, der sie rausfischt, kann eine Unterhaltung beginnen. Eine chinesische Bank nutzt diese Funktion zur Unterstützung von Hilfsprojekten. Für jede 500. Antwort auf ihre Flaschenpost, fianziert die Bank Trainingsstunden für autistische Kinder.

Auch die Funktion „Personen in der Nähe“ kann für Unternehmen nützlich sein, wenn sich z.B. eine Firma vorstellen möchte oder zu einem „Tag der offenen Tür“ einladen möchte. Auch Rabatte können über die Funktion verteilt werden, wodurch jene Personen dank einer virtuellen Nachricht motiviert werden in ein reales Geschäft einzutreten, um von dem jeweiligen Rabatt zu profitieren. In dem Moment, ist ein Online-Shop nicht mal notwendig, deshalb bietet sich diese Funktion auch für Unternehmen mit einem geringeren Budget an.

Hilfreich ist auch der integrierte QR-Code-Scanner. Viele Geschäfte in China haben solche Codes an den Kassen und erleichtern ihren Kunden Dank dessen auch die mobile Zahlung und bieten ihnen unaufdringlich an, dem Geschäft oder der Firma zu folgen.

Fazit:

Der einzige offensichtliche Nachteil für Unternehmen ist, dass Nachrichten nicht öffentlich sind, sondern lediglich von den Followern gelesen werden können. Außerdem sind viele Funktionen, so auch das mobile Zahlen und die „Flaschenpost“, noch nicht in Europa erhältlich.

Langfristig erfolgreich kann WeChat in Europa nur werden, wenn diese Funktionen hier zur richtigen Zeit auch freigeschaltet werden. Zur richtigen Zeit soll heißen genau dann, wenn die Akzeptanz für mobiles Zahlen sowohl unter Privatpersonen als auch von Unternehmen vorliegt.

Bis zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich dennoch sich mit WeChat auseinander zu setzen und das sowohl beruflich als auch privat, um nicht den Trend zu verpassen und von vorne rein flexibel damit umgehen zu können.

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